Projekt oder Festanstellung: Entscheidungshilfe für Führungskräfte
Wenn eine Schlüsselposition im Unternehmen vakant wird, stellt sich eine Grundsatzfrage, die überraschend selten systematisch beantwortet wird: Brauchen wir hier eine Festanstellung — oder wäre ein Interim-Manager oder eine projektbasierte Besetzung die klügere Wahl? In unserer Beratungspraxis erleben wir, dass viele Unternehmen reflexartig an die Festanstellung denken, ohne die Alternative ernsthaft zu prüfen. Und umgekehrt greifen manche Unternehmen zu Interim-Lösungen, wo eine permanente Besetzung das Problem nachhaltiger lösen würde.
Dieser Beitrag ist eine strukturierte Entscheidungshilfe — kein Plädoyer für das eine oder andere Modell, sondern ein Rahmen, der hilft, die richtige Wahl für die konkrete Situation zu treffen. Beide Modelle haben ihren Platz. Die Kunst liegt darin, zu wissen, wann welches passt.
Wann ein Interim-Manager die bessere Wahl ist
Fünf Situationen, in denen eine projektbasierte Besetzung typischerweise überlegen ist:
1. Die Aufgabe ist zeitlich begrenzt
Eine Restrukturierung, die in sechs Monaten abgeschlossen sein soll. Eine Post-Merger-Integration. Ein regulatorisches Projekt mit klarem Deadline. Wenn der Bedarf ein definiertes Ende hat, ist ein Interim-Manager die natürliche Wahl. Eine Festanstellung für ein zeitlich begrenztes Projekt zu schaffen, produziert ein Folgeproblem: Was passiert mit der Person, wenn das Projekt abgeschlossen ist?
2. Die Vakanz duldet keinen Aufschub
Eine permanente Besetzung auf Führungsebene dauert im Median 29 Tage bei Eltz Personal — und das ist schnell. In vielen Unternehmen dauert der gesamte Prozess von der Bedarfsmeldung bis zum Arbeitsbeginn drei bis vier Monate, wenn man Kündigungsfristen einrechnet. Ein Interim-Manager kann innerhalb von Tagen starten. Die Kombination — Interim sofort, permanent parallel suchen — ist oft die wirtschaftlich klügste Lösung.
3. Das Profil ist ein Übergangsrepertoire
Manchmal weiß ein Unternehmen noch nicht genau, wie die Rolle langfristig aussehen soll. Eine neue Abteilung wird aufgebaut, eine Strategie ist noch im Fluss, die Organisationsstruktur wird gerade überarbeitet. In diesen Fällen kann ein Interim-Manager die Rolle definieren, den Bedarf klären und dem Unternehmen helfen zu verstehen, welches Profil es langfristig braucht — bevor es sich auf eine permanente Besetzung festlegt.
4. Spezialwissen wird vorübergehend benötigt
Ein ERP-Wechsel, eine Carve-out-Transaktion, eine Cyber-Incident-Response — manche Aufgaben erfordern hochspezialisiertes Wissen, das im Unternehmen nicht vorhanden ist und langfristig nicht gebraucht wird. Ein Interim-Manager, der genau diese Situation schon drei oder vier Mal durchlebt hat, bringt Erfahrung mit, die kein festangestellter Generalist ersetzen kann.
5. Der Change braucht einen Externen
Bestimmte Veränderungsprozesse — Kulturwandel, schwierige Personalentscheidungen, die Neuausrichtung eines Bereichs — sind für interne Führungskräfte politisch heikel. Ein Interim-Manager, der nicht in interne Netzwerke und Abhängigkeiten verstrickt ist, kann unangenehme Entscheidungen objektiver treffen. Er oder sie geht danach wieder — was paradoxerweise die Bereitschaft erhöht, unbequeme Wahrheiten auszusprechen.
Wann eine Festanstellung die bessere Wahl ist
Fünf Situationen, in denen eine permanente Besetzung klar überlegen ist:
1. Die Rolle erfordert langfristige Beziehungen
Ein Vertriebsleiter, der Kundenbeziehungen über Jahre aufbauen muss. Ein Personalleiter, der Vertrauen im Team schaffen soll. Ein Geschäftsführer, der eine Langfriststrategie umsetzen wird. Diese Rollen funktionieren nur mit Kontinuität — und Kontinuität erfordert eine Festanstellung.
2. Das Unternehmen braucht kulturelle Integration
Interim-Manager bleiben immer ein Stück weit Externe. Sie integrieren sich funktional, aber selten kulturell. Wenn eine Rolle es erfordert, die Unternehmenskultur mitzuprägen und Teil des Führungsteams zu werden, ist eine Festanstellung unverzichtbar.
3. Die Position ist ein Dauerbedarf
Nicht jede Vakanz ist ein Krisensymptom. Manchmal geht einfach jemand in den Ruhestand, und der Nachfolger soll die Rolle für die nächsten zehn Jahre ausfüllen. In diesen Fällen wäre ein Interim eine teure und unnötige Zwischenlösung.
4. Budget und Kostenstruktur sprechen dagegen
Interim-Manager kosten auf den ersten Blick mehr — Tagessätze von €1.200 bis €2.500 für Führungspositionen sind üblich. Über zwölf Monate hochgerechnet liegt das deutlich über den Vollkosten einer Festanstellung. Wenn der Bedarf langfristig ist, ist Interim fast immer teurer.
5. Entwicklungsperspektive ist entscheidend
Wenn die Position eine Karrierestufe für High Potentials im Unternehmen ist oder wenn der künftige Stelleninhaber perspektivisch in eine höhere Rolle aufsteigen soll, macht nur eine Festanstellung Sinn. Ein Interim-Manager bietet keine langfristige Entwicklungsperspektive.
Die Kombination: Interim zuerst, dann permanent
In unserer Praxis hat sich ein drittes Modell bewährt, das wir immer häufiger empfehlen: die sequenzielle Besetzung. Ein Interim-Manager startet sofort und überbrückt die Vakanz, während parallel eine sorgfältige permanente Suche läuft. Der Vorteil ist doppelt: Das Unternehmen leidet nicht unter der Vakanz, und die permanente Suche steht nicht unter dem Zeitdruck, der zu Kompromissen bei der Qualität führt.
2024 und 2025 haben wir 14 solcher Kombinations-Mandate durchgeführt. In vier Fällen wurde der Interim-Manager schließlich permanent übernommen — was zeigt, dass die Grenzen zwischen den Modellen fließend sein können, wenn alle Beteiligten offen bleiben.
Eine Entscheidungsmatrix
| Kriterium | Interim | Festanstellung |
|---|---|---|
| Zeitlicher Bedarf | Befristet (<12 Mon.) | Dauerhaft |
| Startgeschwindigkeit | Sofort (Tage) | 3–4 Monate |
| Kulturelle Integration | Begrenzt | Vollständig |
| Spezialwissen-Bedarf | Hoch, temporär | Breit, dauerhaft |
| Kosten (12 Mon.) | €180.000–€400.000 | €100.000–€250.000* |
| Beziehungsaufbau | Weniger relevant | Entscheidend |
*Vollkosten inkl. Sozialabgaben, Bonus und Benefits.
Wie wir beraten
Bei Eltz Personal beraten wir Klienten zu beiden Modellen — und empfehlen ehrlich, welches besser passt, auch wenn das eine Empfehlung gegen unsere kurzfristigen Interessen sein kann. Ein Interim-Mandat bringt schneller Umsatz als eine permanente Suche; trotzdem empfehlen wir die permanente Lösung, wenn sie die richtige ist. Diese Unabhängigkeit in der Beratung ist der Grund, warum unsere Klienten wiederkommen.
Wenn Sie eine Führungsposition besetzen müssen und unsicher sind, welches Modell das richtige ist — sprechen Sie mit uns. Ein erfahrener Berater hilft Ihnen, die Entscheidung strukturiert zu treffen.